Ortsbildprägendes Knesebecker Gebäude wird ein Raub der Flammen
Das traditionsreiche Gebäude, bekannt als ehemaliges „Gasthaus zur Post“ bzw. den mittelalterlichen Knesebecker Generationen besser bekannt als „Salvos Disco“ in der Knesebecker Marktstraße 7 stand in der Nacht vom 26. auf den 27. Juli 2026 in Flammen und wurde über Nacht zu einer Brandruine.
Da viele Einwohner/innen Knesebecks und der Umgebung doch eine gewisse emotionale Bindung und mit Sicherheit die ein oder andere nostalgische Erinnerung an diesen Ort haben, möchte ich nachstehend einen kurzen geschichtlichen Abriss zu dem Gebäude geben:
Erstmals wurde an dieser Stelle im Jahr 1797 vom Bäcker Johann Heinrich Haber (gebürtig aus Walsrode) ein Wohn- und Geschäftshaus erbaut. Vorher befand sich dort der vom Pastor genutzte Pfarrkamp.
Der Pfarrkamp wurde aufgegeben und dafür der Kirche vom Amt Knesebeck ein Stück Acker von der Domäne am Wittinger Wege zugewiesen.
Im Jahr 1881 heiratete ein Heinrich Trippler aus Wieblitz bei Salzwedel die Tochter Amanda der dritten Bäcker-Haber Generation in Knesebeck und richtete in dem Gebäude eine Gastwirtschaft mit Hotel ein.
Zu dieser Zeit übernahm er die erstmals 1872 beim Gastwirt Schülke in Knesebeck eingerichtete Postagentur. Damit war der Name der Gastwirtschaft gefunden: sie wurde „Gasthaus zur Post“ genannt.
Nachdem beider Sohn Andreas Trippler um die Jahrhundertwende eine neue Villa an der Ecke von Bahnhofstraße und Gifhorner Straße gebaut hatte, verkaufte er die Gastwirtschaft an August Gerche, der im Jahr 1898 das Gebäude umfassend ausbaute und aufstockte.
Er führte die Gastwirtschaft und das Hotel sowie die Postagentur von Heinrich Haber weiter.
Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wechselte das Eigentum an dem Gebäude (z.B. 1908 an Ernst Jübermann, 1929 an die Uelzener Bierbrauerei AG) und die jeweiligen Pächter; der Name „Hotel bzw. Gasthaus zur Post“ blieb aber als Konstante erhalten, bis sich im Jahr 1976 alles änderte.
Ein bis dato in Knesebeck völlig unbekannter Italiener namens Salvatore Failla, kurz „Salvo“ genannt, erwarb das Gebäude und fing an, die Fensterscheiben im Erdgeschoss schwarz anzumalen. Er richtete nämlich dort in den ehemaligen Gasträumen eine Discothek ein.
Anfangs noch etwas kritisch beäugt, erlangte „Salvos Discothek“ bald in Knesebeck und der ganzen Umgebung Kultstatus trotz zahlreicher Konkurrenz in der Nähe (Amazonas, Penny Lane, Bonanza, Rockpalast, Bierdorf, Pampas usw.) und Salvo kannte zu der Zeit jeder Jugendliche und Junggebliebene im Ort.
Leider verstarb er viel zu früh am 14.09.1992 bei einem Autounfall und von da ab war die Blütezeit der Diskothek vorüber.
Seit der Jahrtausendwende konnte sich so recht keine der verschiedenen versuchten Geschäftsideen (Imbiss, Pizzeria, Spielhölle, Bar) in dem Gebäude mehr durchsetzen und seit einiger Zeit stand es leer.
Nun wird es wohl der Abrissbirne zum Opfer fallen.
Noch eine kurze Ironie der Geschichte zum Schluss:
Beim großen Knesebecker Dorfbrand im Jahr 1825, als fast das komplette Dorf von den Flammen vernichtet wurde, blieb ausgerechnet dieses Gebäude in der Marktstraße 7 als einziges zentrales Gebäude im Ortskern verschont, weil es bereits mit Dachziegeln statt mit Stroh gedeckt war!
Bei dem aktuellen Brand haben die wiederum relativ neu gedeckten Dachziegel das Gebäude allerdings nicht mehr retten können!
Dem umsichtigen und geballten Einsatz der etwa 120 Einsatzkräften u.a. der Feuerwehren aus Knesebeck und der Umgebung ist es zu verdanken, dass anders als vor 200 Jahren nur dieses eine Gebäude ein Raub der Flammen wurde und alle anliegenden Wohn- und Geschäftshäuser nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Matthias Rode
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Das Gasthaus zur Post im Laufe der Jahrzehnte (DI, 28. Juli 2026)










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